Nordkap Sa, 02.07.2016 Tag 36 Pärnu(Estland)-Riga(Lettland)

Strecke:                                        Pärnu(Eesti)(EST)-Riga(Letvia)(LV)

Statistik:                                       200 Km   7‘796 Km  52 Km/h    3 Std.48‘   1014mb  32ᴼ

Wetter:                                         Schön, Kumuli überm Festland, heiss, feucht

Koordinaten Ziel:                      N 56ᴼ 57,342   E 24ᴼ 04,688

Tageslänge:                                 03:34 – 21:20  =  17 Std. 46 Min.   =   – 28‘  zu gestern

Bevor wir Pärnu verlassen, fahren wir die kurzen Meter zur „Altstadt“. Altstadt ist hier etwas übertrieben formuliert, denn der interessante Kern besteht eigentlich nur aus einer einige 100 Meter langen Fussgängerzone mit den üblichen Geschäften, Restaurants etc. Nach all dem in den letzten Wochen Erlebten muss ich doch ehrlicherweise zugeben, dass mit der Zeit alle kleinen Orte mehr oder weniger gleich aussehen. In einem halben Jahr wird die Errinnerung an diese kleineren Orte sicherlich verblassen. Das ist ja auch der eigentliche Grund, weshalb wir immer wieder auf den Auslöser der Kamera drücken.

Wir folgen nun weiter der E67, die ab hier auch A1 heisst, denn diese neue Hauptverbindungsstrasse von Tallin bis Riga wurde mit EU-Geldern gebaut. Sie führt immer einige Km vom Meer entfernt im Inland, aber immer noch im bewaldeten Küstengebiet. Das heisst also wieder, dass wir durch lange, lange Wälder fahren mit kaum einmal einem weiteren Ausblick. Alles scheint einsam, nur die vielen rechtwinklig abgehenden Kiessträsschen verraten, dass hinter den Bäumen Menschen leben. Oder zumindest Richtung Strand im Verborgenen Ferienhäuschen stehen.

Das ist uns zu langweilig, und bei der nächsten Gelegenheit wechseln wir nach Rechts in eine schlechte und nicht sehr breite „Strandstrasse“, nämlich die alte Hauptstrasse. Aber auch hier ist es nicht anders als anderswo: Wald, Wald, Wald, zwischendurch erhaschen wir einen Blick zur See durch die Bäume. Zu unserer Ueberraschung herrscht ein reger Verkehr auf dieser Strasse. Und wir sehen dann auch, warum. Bei der nächsten Gelegenheit fahren wir auch in eines der 2m breiten Sandsträsschen, die rechtwinklig zum Meer abgehen, und befinden uns auf einem kleinen Parkplatz. Dahinter: ein Kaffee, WC, Podium für eine Band, kleines Fussbaldfeld, kleiner Kinderspielplatz, sandiges Wiesengelände und dann der Sand/Stein-Strand. Bis weit ins flache Meer hinaus können die wenigen Gäste gehen. Im Kaffee sind wir die einzigen, vielleicht sogar die ersten Gäste des heutigen Tages. Das junge Mädi kann einige Brocken Englisch, aber noch viel besser als ihr Englisch ist der Kaffee, den sie aus einem Automaten herauslässt. Wir geniessen die ruhige Umgebung für eine halbe Stunde. Dies wäre ein Uebernachtungsplatz gewesen!!!

Ja, und dann sind wir schnell einmal an der Lettischen Grenze. Alle Grenzbauten stehen noch, sind aber in der Zwischenzeit in einem üblen Zustand. Die weiten Parkflächen sind gesperrt (!) und nicht mehr in Gebrauch. Wir passieren diese neu innerEU-Grenze, die ja fast nur symbolisch besteht.

Der Verkehr nimmt zu, und wie! Schon 30 Km vor Riga kommt uns eine geschlossene Autokolonne entgegen. Auch unsere Seite ist sehr stark frequentiert. Aber die Letten haben offensichtlich eine neue Art erfunden, wie man eine zweispurige Strasse künstlich breiter machen kann. Es vergeht eine Weile, bis auch ich begriffen habe, dass die Strassenmarkierungs- Begrenzungsstreifen nicht bedeutet, dass man zwischen diesen Fährt. Denn rechts des rechten Streifens gibt es noch so 1 bis 1,5 Meter vorigen geteerten „Velostreifen“. Und dieser Streifen ist dann bitte schön auch befahrbar. Also nichts wie rechts halten, den durchgehenden Steifen in die Mitte des Fahrzeuges nehmen, und schon rauschen die schnelleren PW’s links an mir vorbei. Dabei gibt es immer wieder prekäre Situationen, wenn auf der Gegenfahrbahn die gleiche Taktik angewendet wird. Denn für 4 Autos nebeneinander reicht die Breite der Strasse denn doch nicht aus!!! Aber alle Verkehrsteilnehmer halten sich an diese sicherlich nicht ganz gesetzliche Fahrweise.

Die letzten 10 Km nach Riga hinein werden zu einem speziellen Erlebnis. Nicht nur, dass die Gebäude links und rechts der Strasse grösstenteilsl kurz vor dem Verfall sind, auch die Strasse ist es. Mehrheitlich aus sehr groben Psetzisteinen bestehend, gibt es jede Menge Löcher, schadhafte Stellen, Buckel. Der Verkehr fliesst nun fast nur noch im Schrittempo. Der Linienbus vor mir schwankt hin und her und verlangsamt oft auf 5 Km/h. Es klirrt und tätscht im Wohnmobil. In der Innenstadt ist es dann mehrheitlich wieder etwas besser. Und wohlbehalten steuern wir den Riverside-Camping an. Der liegt auf einer langgezogenen Halbinsel mitten im Fluss Daugava. Aber erstens ist die Umgebung nicht sehr vertrauenserweckend und zweitens ist es von hier aus zu weit in die Stadt. Also rechtsumkehrt und weitersuchen. Wir landen dann auf dem guten Riga City Camping, der besser gelegen ist.

Parkieren, Turnschuhe angezogen, und schon sind wir auf dem Weg ins Stadtzentrum. Eine halbe Stunde später schon tauchen wir in die heissen, feuchten Strassen (es hat 32 Grad im Schatten bei wolkenlosem Himmel: oh wie schön!). Wunderschöne Jugenstil-Bauten, aber leider recht verstreut. Schöne, kleine Parks, Neubauten neben baufälligen Altbauten, viel Gegensatz. Eine sehr interessante Stadt, die es wert wäre, einige Tage zu bleiben. Auch die Geschichte dieser Stadt ist hochspannend. Einiges wurde in den Katalog des Weltkulturerbes aufgenommen, so z.B. die 2,4 Mio. Lieder, die es geben soll, nämlich für jeden Einwohner ein Lied. Sie nennen denn auch Riga und das ganze Lettland als Liederhochburg.

Zurück im Camping freuen wir uns auf eine kalte Dusche!!

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