Nordkap Di, 05.07.2016 Tag 39 Ventspils(Lettland)-Kaunas(Litauen)

Strecke:                                        Ventspils(Lettland)-Kaunas(Litauen)

Statistik:                                       438 Km   8‘432 Km  62 Km/h    7 Std.00‘   1012mb  20ᴼ

Wetter:                                         sehr verrissene Kumuli

Koordinaten Ziel:                      N 54ᴼ 54,973   E 23ᴼ 49,972

Tageslänge:                                 03:53 – 21:04  =  17 Std. 11 Min.   =   – 38‘  zu gestern

Heute ist wieder einmal ein Reisetag; und dazu erst noch ein idealer. Erstens vom Wetter her: ganztags hunderte von zerrissenen Kumulis, die im starken Westwind sich über der Küste bilden und dann landeinwärts gegen Osten ziehen. Zweitens von der Gegend her, die wir durchfahren: die Waldpartien gibt’s nur noch vereinzelt der Küste entlang, der wir nun nach Süden bis ins litauische Klaipéda folgen. Grosse, weite Weizenfelder bestimmen nun mehrheitlich das Bild, dazwischen einzelne Kuhherden auf Graspartien. Die Sicht geht oft weit ins Land, trotzdem ist praktisch alles flach. Die Strasse ist auf ungef. 20 Km miserabel: die Löchr und andere Pumps zwingen eine Reduktion des Tempos auf 50-60 Km/h, die restlichen Strecken bis Klaipéda sind meist gut und oft sehr neu. Trotz grosser Nähe zum Meer sieht man selbiges von der Strasse aus sozusagen nie.

Aber der Reihe nach. In Liepaja machen wir den ersten Abstecher durch die Stadt. Die Rundfahrt bringt nicht viel Neues. Bemerkenswert ist aber der Kontrast zu Ventspils. Die Gebäude sind hier alt und mehrheitlich baufällig, in der Einfahrt zur Stadt stehen Bauruinen herum, die restlichen (sowjetischen?) Wohnblöcke sind kurz vor dem Zerfall, die Strassen miserabel, die Trams uralt, die Menschen trist. Aermlich gekleidete Menschentrauben an jeder Bus- und Tramhaltestelle. Dazu regnet es hier kurz aus einer grösseren Kumuluswolke, was den Eindruck nicht verbessert.

30Km später passieren wir die Grenze von Lettland (Latvia) nach Litauen (Lithuania). Auch hier nichts Spektakuläres mehr: die Grenzgebäude sind am Zerfallen, die Strasse führt nicht mehr über Parkplätze, sondern geradewegs durch die Mitte.

Klaipéda ist die erste Grossstadt von Litauen am Baltischen Meer, einst Kriegshafen, heute grosser Warenhafen, viel Industrie. Wir sind im Moment überfüllt mit Stadtbesichtigungen und nach der schönen Erfahrung in Ventspils (übrigens auf Deutsch Windau) wollen wir uns den Tag nicht mit hässlicheren Sachen verderben. Noch vor Klaipéda machen wir an einem Hotel an der Strasse Halt. Der Kaffee (Ruth wie immer einen Américano, ich wie immer einen Cappucino) ist vorzüglich, und das Stückchen Apfeltorte wird serviert auf einem Viereckteller, garniert mit Heidelbeeren und einer Glacékugel, verziert mit Flüssigschoggi; Kostenpunkt für alles zusammen: € 5.20 (CHF 5.70).

Ab Klaipéda benützen wir seit Wochen zum ersten mal wieder eine Autobahn. Wir wollen bis nach Kaunas fahren, einer 300‘000-Einwohner-Stadt und die zweitgrösste von Litauen (Hauptstadt ist Vilnius mit ca 550‘000 Einwohnern; (was lernt man doch immer wieder dazu!)). Uebrigens, und das ist noch unwahrscheinlicher: Klaipéda in Lettland soll einmal für kurze Zeit Hauptstadt von Deutschland (!!) gewesen sein; und Kaunas war einmal kurze Zeit die Hauptstadt der Sowjetrepublik (!!).

Zwischendurch verlasse ich die Autobahn für das Experiment, die ziemlich parallel laufende Haupt-Verbindungsstrasse nach Kaunas zu benützen. Aber schon nach wenigen Km haben wir genug von diesem „Bachbett“ und humpeln und rumpeln reuig wieder auf die nächste Autobahnauffahrt. Auch wenn die Autobahn nicht immer das Gelbe vom Ei ist, ist sie doch mehrheitlich in gutem Zustand und dazu noch gratis zu befahren.

Die heutige Fahrt über gut 400 Km war die interessanteste seit vielen Tagen: eigentlich seit wir Norwegen im hohen Norden verlassen haben.

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