NZ: 24.10.2012 Mi, 6.Tag Pukenui – Baylys Beach

6.Tag Mi, 24.10.2012
Pukenui – Baylys Beach

Der hohe Barometerstand von 1022 mb heute Morgen verspricht ein wolkenloses Wetter mit harmlosen Kumuli nachmittags. Also brechen wir um 08:30 bei schönstem Sonnenschein auf, um heute die Westküste von Far North zu erkunden. Wir tuckeln wieder nach Süden und verlassen die 1 bei Kaitaia und erreichen bald den Traumstrand von Ahipara. Blick nach Norden: ein Sandstrand von schier unendlichen Dimensionen, der sich irgendwo im Dunst verliert; kein Wunder, endet hier doch die berühmte Ninety Mile Beach. Diese Sandpiste konnten wir leider nicht befahren: für Womos unserer Grössenordnung – und allgemein für angemietete Camper – ist dieser Sandstreifen leider tabu.
Der Nebenstrasse folgend, erreichen wir durch wunderhübsche Gegenden bald die Fähre, die uns nach kurzer Wartefrist über den weit ins Landesinnere reichenden Meeresarm hinüberbringt nach Rawene. Weiter geht’s diesem Meeresarm entlang bis nach Omapere. Ein Bilderbuchort mit grünen, waldbewachsenen Hügeln im Rücken, dann über den tiefblauen Meeresarm hinüber zu gelb leuchtenden, riesigen Sanddünen, und in der Öffnung zum Meer gischtschäumende Brandungswellen. Am Strand beobachten wir eine Zeitlang eine Anzahl badender Kleinkinder mit ihren feissen Müttern und surfende grössere Kinder. Dies bei einer Lufttemperatur von 16 Grad und einer Wassertemperatur von noch einiges darunter mit einem zügigen, auskältenden Wind dazu. Wir fahren 1 Km weiter. An erhöhter Lage mit fantastischem Überblick geniessen wir bei einem wie immer sehr guten Cappuccino und einer feinen Lemon-Süssigkeit von der Terrasse eines Cafés die atemberaubende Sicht.
Nur allzu schnell verstreicht die Zeit – es ist inzwischen bereits 15:00 geworden, und wir wollen noch weiter. Einige Km nur, und wir stehen vor dem Giant Kauri Tree, umgeben vom Waipoua Forest, einem leider nur allzu kleinen Reservat, das neben Palmen, Farnbäumen und jeder Menge exotischer Pflanzen noch den kargen Restbestand von Kauri-Trees beherbergt. Vor dem hier nur 1 Gehminute von der SH12 entfernten, riesigen Exemplar dieser bis zu 2000 Jahre alt werdenden Riesen stehen wir eine Weile fast ehrfürchtig. Ein riesiger, astloser Stamm bis in ca 25 m Höhe, dann explosionsartig wirre Äste auf alle Seiten gefächert zu einem Riesendach. Mir geht die Frage durch den Kopf, welcher Teufel die Menschen in den Jahren 1880 bis 1950 denn geritten haben muss, die in zwei, drei Generationen die tausende von Quadratkilometern grosse Fläche dieser Natur niedergesägt, verkauft, niedergebrannt, gerodet, zerstört haben, (dem Mammon sei Dank!), um daraus die jetzige Viehwirtschafts-Landschaft (die ja wohl auch schön anzusehen ist) gemacht haben. (Vor ein paar Tagen bei den Gumdiggers im Norden ja dasselbe, ja, fast der ganze Norden des Far North war ja mit diesem Urwald noch vor eigentlich wenigen Jahren bedeckt!). Hier wird einem sehr bewusst vor Augen geführt, wie der Mensch auf dieser Welt wütet und zerstört, was ihm in den Weg kommt.
Wie gesagt, dieser unter Schutz gestellte Rest-Forest durchquert eine gewundene Strasse, die dann übergeht in die fast kahle Vieh-Landschaft, die an steileren, grossen Hügelabschnitten auch mit Nutzholz, sprich Föhren, bepflanzt ist.
Vor Dargaville schwenken wir rechts ab an die Baylys Beach, wo wir für diese Nacht kampieren wollen. Es erwartet uns eine echte Ortschaft, und trotz guter Beschriftung fahre ich doch glatt am Entrance ins Camping vorbei. Denn just da habe ich statt auf die Beschilderung auf die 4 nacktfüssigen Beine geschaut (Ruth mag’s mir verzeihen), die in knappen Shorts steckten und 2 jungen Damen gehörten, die im oberen Teil jedoch wie im tiefsten Winter in warmen, langärmeligen Jacken steckten. Was durchaus der Durchschnittskleidung der jungen Maori-Frauen entspricht. Denn Shorts, Barfüssigkeit oder doch nur knappe Sandalen, im Oberteil jedoch recht eingepackt, sind an der Tagesordnung! Immerhin haben wir noch tiefen Frühling mit Höchsttemperaturen von ca. 17 Grad am Nachmittag. Dies gilt jedoch nur für junge Leute, ältere, entsprechend feissere Gestalten (ich kann‘s nicht anders ausdrücken für Gestalten so ab 150 Kg) brauchen des Fettes wegen auch im Oberteil höchstens ein leichtes T-Shirt. (N.b. Wir sind hier im tiefsten Maori-Land).
Nach einer Ortsrundfahrt habe ich den Eingang beim zweiten Anlauf problemlos geschafft, und nach einem ausgiebigen Spaziergang der Sandküste entlang bei sonnigem und wenig windigem Wetter, aber trotzdem hohem Wellengang, haben wir dann das Nachtessen im Camper und die restliche ruhige Zeit vor dem Schlafengehen genossen.
PS1: Die Daten des obigen Giant Kauri-Trees: Name, „Tane Mahuta“, the „Lord of the Forest“. Ca 1200 Jahre alt, wahrscheinlich mit seiner Höhe von 51,5 m der Höchste noch existierende Kauri des Landes. 13,8 m Stammumfang. 245 m3 Holzvolumen. (Bis in die 1950er-Jahre gab es noch mächtigere Bäume, die aber samt und sonders den Kettensägen der sogenannten Pioniere zum Opfer gefallen sind).
PS2: In fast jeder Senke und auch an unmöglichen Orten (z.B. nach scharfen Kurven) können sich die Strassen selbst auf der Str.Nr. 1 abrupt auf eine Spur verengen. Wohl aus Sparsamkeitsgründen sind diese einspurigen Kleinstschmalbrücken so schmal gebaut, die einen unweigerlich auf Tempo 30 km/h abbremsen. Nach der Brücke dann wieder die obligate 100-er Tafel, die aber schnell und immer wieder unterbrochen wird durch kleinere Tempo-Vorgaben: denn vor jeder nur einigermassen unübersichtlichen Kurve stehen Pfeiltafeln, die fein säuberlich die einzuhaltende Höchstgeschwindigkeit für diese Kurve aufzeigen. Für den Fahrer des Motorhomes oft recht nützlich!!!





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