NZ: 30.10.2012 Di, 12.Tag Wanganui

12.Tag Di, 30.10.2012
Taupo – Wanganui

Wolkenlos, sonnig, bei 17 Grad fängt dieser wunderbare Morgen um 06:00 an. Wie immer ohne Hast bereiten wir uns auf den neuen Tag vor, und um 08:15 verlassen wir den Campground hier in Taupo.
Und dieser Tag verspricht nicht nur schön, sondern voller Höhepunkte zu werden, sodass ich kaum weiss, wo ich beginnen soll. – Als Erstes kreuzen wir zuerst mit dem Camper, dann auch zu Fuss kreuz und quer durch Taupo, die mit den breiten, offenen Strassen, den Blumenbeeten in den Round-Abouts, aber auch in den verschiedenen parallel angelegten Strassen und den unzähligen Geschäften, Cafés und Restaurants sehr einladend wirkt. Und – die obligaten öffentlichen WC’s fehlen nicht; fast an jeder Strassenecke – aber dazu eine Bemerkung später.
Der Ausblick an der Seepromenade über den Lake Taupo und im Hintergrund die unglaublich weissen Schnee-Spitzen der Vulkane Tongariro, Ngauruheo und Ruapehu bieten an diesem wunderbaren, weitsichtigen Frühlingsmorgen ein Bild, das einen innerlich aufstellt!!!
Die Strasse dem Lake Taupo entlang, die aber weitgehend vom Ufer entfernt ist, bietet nichts Besonderes. Wenn man davon absieht, dass die halbe Gegend in einem leuchtenden Gelb von Frühlings- Ginster erblüht. Dafür fehlen die uns bis jetzt in den unangetasteten kleinen Feldern vom ursprünglichen Wald begleiteten grossen Farnbäume, die noch mehr als die Palmen den exotischen Charakter des Waldes betonten.
Halbwegs nach Turangi am Südende des Lake Taupo dann ein Blick auf die Tankanzeige geworfen – nur noch ein Strich von 10 Strichen, und der blinkt wie wild – wir fahren wahrscheinlich auf der letzten Reserve. Ich hätte geschworen, dass bei der Abfahrt heute Morgen noch 3 Striche aktiv waren. Nun, bis zur nächsten Tankstelle sind es noch weitere 30 Km, dies sagen das GPS-Gerät und der iPad in grosser Einigkeit voraus. Wir sind ganz leicht beunruhigt, denn einen Dieselmotor „leerfahren“, so habe ich mal gehört, ist nicht das Gelbe vom Ei. — Aber zu unserer Erleichterung hat die „Google-Welt“ von iPad und GPS die nächste Tankstelle in 10 Km Entfernung nicht einprogrammiert, und so kommen wir noch früher als gehofft zum köstlichen Nass. Aber so weit runterfahen will ich die Reserven dann doch in Zukunft nicht mehr, denn es gibt hier wahrlich nicht an jeder Strassenecke eine Tankstelle wie in der CH.
Turangi ist nicht erwähnenswert. Ab geht’s auf der 47 zur westlichen Umfahrung der Vulkanberge Tongariro, Ngauruhoe und Ruapehu. Diese tauchen dann auch immer wieder und immer näher in ihrem schneeweissen Kleid am stahlblauen Himmel auf – ein einzigartiges Bild. Beim Eingang zur Whakapapa Village überrasche ich meine Frau dann mit einer schon zu Hause im Stillen erhofften Gelegenheit, ab dem kleinen Flugplätzchen an dieser Kreuzung einen Flug über diese Vulkanwelt zu unternehmen. Diese Idee war aber von Anfang an wetterabhängig. Und das Wetter stimmt! Und wie! Ein strahlend blauer Himmel, an diesem frühen Vormittag um ca. 11: 30 nur von kleinen ersten Kumuli durchzogen, verspricht allerbestes Flugwetter. Also statt links nach dem Whakapapa Village abzubiegen, fahre ich die 200 m weiter geradeaus und parkiere vor dem winzigen Abfertigungsbüro direkt neben 4 kleinen Cessna-Maschinen. Die Startpiste, die sicher 10 Höhenmeter weiter unten hinter dem Kleingebäude und den parkierten Cessnas beginnt, muss ich bigott zuerst suchen.
Der einzige anwesende Pilot – ein fitter, freundlicher und vertrauenserweckender ca. 30-jähriger Mann – erledigt die Formalitäten in no time, und bereits 20 Min. später starten wir um 12:00 über die bucklige Graspiste Richtung Schnee zum 35-minütigen Rundflug. – Ein unbeschreiblich faszinierender Flug folgt – zuerst über den Nordteil mit der aktiven Vulkanzone des Tongariro, der eine weisse Dampffahne einige hundert Meter in den Himmel schleudert. Den Ngauruhoe mit seinen 2287 m Höhe umkreisen wir, in den erloschenen Krater guckend, weiter über 2 tiefblaue Seen, einen zugefrorenen Kratersee, zu dem südlicheren Mt. Ruapehu, dessen Kratersee auf 2797 m uns tiefblau entgegenblickt. Er soll gemäss den vielen Informationen des Piloten „Mat“ = Matheu an die 25 Grad warm sein!!!
Auch den Ruapehu mit seinem Kratersee, der um 1980 herum ausgelaufen ist, und weiter unten zum einem Zugunglück mit fast 200 Toten führte, umrunden wir und sinken dann ab auf der Südwestflanke des Vulkans über ein ausgedehntes Skigebiet, in dem die Lifte immer noch aktiv sind und es eigentlich von „kleinen“ Skifahrern nur so wimmelt! Es ist das Turga-Skigebiet, etwa 30 Km vom Winterort Ohakune entfernt. Im weiteren Sinkflug mit Spezialkreisen über dem Whakapapa Village, über diversen Wasserfällen in niedriger Höhe vorbei geht der 35-minütige Flug dann auf dem Airfield von… leider nur allzu schnell zu Ende. – Ein Kompliment dem jungen Piloten, der uns auf dem ganzen Flug mit unzähligen Detail-Informationen unterhielt! – Dieser Flug bei selten guten Flug- und Sichtbedingungen wird uns noch lange in Erinnerung bleiben!
Dann fahren wir doch noch zum Whakapapa Village hoch, das wir soeben noch überflogen haben zu einem Cappuccino und einer heissen Schokolade mit Kuchen. Wir sind die einzigen Gäste, denn das Wintercamp ist zu dieser Jahreszeit einsam und verlassen. Mitten in den schwarzen Vulkangesteinen ist uns nicht sonderlich wohl: hier ist der deckende Winterschnee wohl besonders wichtig!!!
Wir umrunden die Berge weiter bis Ohakune. Dort werweissen wir, ob wir wegen des sehr schönen Wetters die Vulkane noch ganz umrunden und nach Taupo für die nächste Nacht zurückkehren sollen. Wir könnten dann am nächsten Tag über Napier nach Wellington fahren – Oder ob wir direkt weiter nach Süden, z.B. über Wanganui den näheren Weg nach Wellington wählen sollen. – Nach Absprache mit Beat und seiner Familie beschiessen wir dann, den näheren Weg zu wählen, was uns erlaubt, bereits am nächsten Freitag, nämlich in 3 Tagen, auf die Südinsel zu wechseln, und dann am Freitagabend fürs Wochenende und darüber hinaus bei Beat und seiner Familie zu sein.
Die Fahrt über Raetihi nach Wanganui durch das Tal des Mhangawero-Flusses entpuppte sich dann als weiterer Volltreffer! Das zum Teil tief eingeschnittene Tal mit seinen steilen, baumlosen, wilden, spitzigen Hügeln (ich schätze 200 – 300 Höhenmeter), leuchten in allen Grüntönen, akzentuiert durch die bereits tiefer stehende 17:00 Uhr-Vespersonne, die in den Hügeln ein Schattenspiel verursacht, die das ganze Relief zu einer Wunderwelt verwandelt. Nach jedem Rank öffnet sich ein noch spektakuläreres Bild, und wir können uns nicht satt-sehen (und –knipsen) an den fremdartigen Bildern. Die Hänge sehen samt und sonders aus wie ein feiner Rasen eines Golfplatzes: den Schafherden sei Dank, die ja bekanntlich so einen Rasen hinterlassen! (Nicht umsonst wurden bei uns zu Hause die wandernden Schafherden im Herbst sehr begrüsst; denn sie hinterliessen einen feineren Rasen, der im Frühling mehr und feineres Gras versprach).
Für die gut 100 Km von Ohakune nach Wanganui kalkulierten wir 1 ½ Std. Volle 2 ½ Std. wurden es dann wegen der vielen Fotohalte und auch wegen der kurvenreichen Strecke.
Hochzufrieden mit dem heutigen bis 23 Grad warmen Tag geniessen wir einen sonnigen Abend und ein von meiner Spitzenköchin zubereitetes Lamm, in Speck und Knoblauch gegahrt, begleitet von Butternudeln und einem roten Merlot-Cabernet, den wir nur wärmstens weiter empfehlen können.
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PS1: Fast wäre noch ein Lapsus passiert. Beim Einchecken am Wanganuier Top10-Camping liessen wir grad noch die Fähre von Wellington nach Picton für den nächsten Freitagmorgen buchen. Etwas kam uns dabei Spanisch vor, und bei der genaueren Prüfung des Papiers sehen wir: Freitag, den 3. Nov.; das stimmt doch nicht: unser Kalender zeigt für nächsten Freitag den 2. Nov. an. Also nichts wie zurück ins Office: Trotz Fixbuchung kann die Ehefrau des Sünders die Buchung auf den 2.11. telefonisch ändern. Wir hätten am Freitagmorgen um 08:15 schön schräg aus der Wäsche geschaut, hätte es geheissen: keine Buchung vorhanden!
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PS2: Sternenhimmel heute Nacht um 03:00. „Leider“ steht der noch Fast-Vollmond direkt im Norden im Zenit und überstrahlt die schwächeren Sterne. Nur etwas weiter östlich vom Mond erstrahlt der Jupiter in voller Pracht. Er steht im Taurus und ganz in der Nähe des hellen Stern Aldebaran. Noch etwas weiter östlich dann das ungewohnt aufrecht stehende Bild des Orion. Alnitak, Alnilam und Mintaka, die 3 Gürtelsterne, stehen waagerecht in einer Linie. Noch etwas weiter steht hoch der helle Sirius des Canis maior, der von uns zu Hause nur ganz tief am südlichen Himmel zu sehen ist. Und dann fallen gegen Süden schwächere und stärkere Sternenbilder auf, die wir in der Schweiz halt nie sehen können. Besonders schön ist die Crux, das Kreuz des Südens. Leider ist der Vollmond zu hell, als dass wir die Milchstrasse erkennen könnten. In 14 Tagen bei Leermond wird’s dann besser sein.
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PS3: A-propos ungewohnt: man muss sich schon ein bisschen umgewöhnen, wenn Sonne und Mond von rechts nach links über den Himmel ziehen und beide im Zenit im Norden stehen. Auch dass die bei uns nach rechts zeigende Sichel des Mondes zunehmender Mond bedeutet, ist hier in NZ natürlich genau umgekehrt und bedeutet abnehmender Mond. Und nach links vice-versa. Halt alles eine Frage der Sichtweise!
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PS4: Edith, wenn Du vielleicht diese Zeilen liest, richte doch einen herzlichen Gruss aus an die Chefs, Barbara und das ganze „Meier-Team“. Nicht, dass ich gerade Heimweh hätte, aber der gute Kaffee mit Körnergipfeli in angenehmer Umgebung fehlt mir halt doch ein kleines Bisschen!
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PS5: Bilder folgen noch; jetzt habe ich keine Zeit mehr dafür.








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