NZ: 07.11.2012 Mi, 20.Tag Franz Josef

20.Tag Mi, 07.11.2012
Greymouth – Franz Josef

Ein weiterer wolkenloser Sonnentag bei frischen 10 Grad Morgentemperatur kündet sich an. Bei der morgendlichen warmen Dusche, dem Frühstück, dem neuen Einbetten, dem Ergänzen des Tagesberichtes mit Bildern etc etc vergeht halt am Morgen die Zeit allzu schnell, sodass wir auch heute wieder erst um 9:00 losfahren trotz früher Tagwache um halb Sieben.
Um es vorwegzunehmen: die heutige Strecke zwischen Greymouth und Franz über diese Holzbrücke fahren Personen- und GüterzügeJosef Glacier ist bei weitem nicht mehr so spektakulär wie die von Westport nach Greymouth. Es geht oft geradeaus zu weit vom Meer entfernt, als dass man es noch sehen könnte. Dafür erstrecken sich weit im Landesinnern die schneebedeckten Gipfel der Südalpen. Bis am Mittag sind auch diese wolkenlos und leuchten gegen den blauen Himmel. Aber dann werden sie mehr und mehr verdeckt durch Staubewölkung. Gegen Harihari und Franz Josef kommt man den höchsten Bergen immer näher, und hie und da durchfahren wir gar einen feinen Nieselschauer.
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Den ersten und längeren Halt legen wir in der Jade-Stadt Hokitika ein. Ein netter Ort mit wie meistens quadratisch angelegten breiten Strassen, von welchen dann 2-3 gesäumt sind von dutzenden von Kleingeschäften; die Gebäude bis auf wenige Ausnahmen einstöckig und meistens mit leichtgebauten
Arkaden oder Lauben, unter denen man auch bei Regen oder heisser Sonne getrost flanieren könnte. Dazu noch alles im „Wildwest-Stil“. Ein
wirklich konträres Bild zu dem von zu Hause Gewohnten.
Es gibt wirkliche Jade-Künstler in der Gegend, die keine Massenware produzieren, aber die zu finden, dürfte etwas schwierig werden; deshalb machen wir es halt wie alle Touristen: wir „stürmen“ eine Jade Fabrication and Sales Co. Im Vordergrund der grosse Saal mit den zum Verkauf angebotenen Schmuckstücken, aber was wenigstens für mich interessanter ist, ist der Hintergrund, denn man kann den Arbeitern/innen oder besser Künstler/innen beim Schleifen der Jadesteine zusehen.
Wir schlendern weiter durch die kurzen Strassen, genehmigen uns einen Shake und eine Hot Chocolate, und machen einen Schwenk zum Meeresstrand. Dem drehen wir aber schnell wieder den Rücken zu, denn er ist übersät mit Schwemmholz und macht allgemein einen schmuddeligen Eindruck. Ausserdem ist die Brise bei etwa 12 Grad nicht besonders angenehm. (Diverse Kiwi-Frauen laufen aber trotzdem mit nackten Schultern und kurzen Shorts in der Gegend herum: uns fröstelt es nur schon beim Hinschauen.)
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Am „National Kiwi Centre“ können wir nicht einfach vorbeigehen. Der Eintritt von $ 16.50 p.P. lohnt sich aber, denn ausser Zierfisch-Aquarien, einem sehr grossen Aal-Aquarium etc gibt es einen Dunkelraum mit lebenden Kiwis. Dunkelraum deshalb, weil die Kiwis ja nachtaktive Tiere sind. Und eines davon präsentiert sich wirklich wie auf Bestellung. Der ca 30 cm grosse, flugunfähige Vogel stösst mit seinem ca. 20 cm langen, dünnen, spitzen Schnabel aufgeregt in den weichen Untergrund nach der Suche nach Würmern und Insekten. – Jetzt haben wir also das Wappentier von NZ tatsächlich lebend gesehen; wenn auch nur
in Gefangenschaft. Die Kiwis (die Neuseeländer) tun übrigens sehr viel, um den Kiwi (das Wappentier) vom Aussterben zu bewahren. Denn eingeschleppte Marder, Wiesel, Ratten oder ausgesetzte Tiere wie Wildschweine, Igel, Katzen, dezimieren den Kiwi bis fast auf Null.
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Kurz nach Whataroa sehen wir eine lange Kolonne von schwarz-weissen Kühen, die von einem Bauernhof kommend, wieder der Weide zustreben. Das interessiert mich, und beim Weiterfahren sehen wir zu unserer Linken neben einem länglichen Unterstand einen kreisrunden, vielleicht 60 m im Durchmesser messenden Platz, begrenzt durch einen Metallstangenhag, in dem sich dicht an dicht sicher an die 400 Kühe drängen. Auch das interessiert mich, also halte ich links an und wir sehen, wie ein Mensch diese Kühe einzeln in den länglichen Anbau treibt. Was ist das? Wir verlassen den Camper und gehen die wenigen Schritte ins Zentrum des Geschehens. Von aussen fotografiere ich dann diese für meine Begriffe riesige Melkanlage. Schon von aussen zähle ich in diesem länglichen Bau 2 Reihen von jeweils an die 50 Tiere, die offensichtlich an einer Melkanlage hängen. Die draussen im Rund stehenden Kühe warten also darauf, gemolken zu werden.
Es ist niemand zu sehen, bis nach einigen Minuten ein Pickup mit Anhänger die Auffahrt herauffährt; der Chauffeur, ein älterer Mann ruft uns zu: „Hello, welcome, don’t hesitate and have a closer look; there is a hidden door in the engine-room just at your right“ – und weg ist er.
Wir queren nun den lauten engine-room, öffnen dort die eiserne Türe und stehen nun in der für uns riesigen Melkanlage. Wirklich stehen da zweireihig 80 Tiere. In der Mitte – einen Meter versenkt – 2 Mitarbeiter, die gerade daran sind, die jeweils 4 Endteile der
Melkmaschine von einer Kuh auf der rechten Seite zu einer Kuh auf der linken Seite zu wechseln. Es werden also immer gleichzeitig 40 Kühe gemolken. Das Ausgangsgatter für die „fertige“ Reihe wird nun geöffnet, und es werden die nächsten 40 Tiere aus dem Rund in die Melkgasse geleitet. Euter kurz gewaschen, mit einem wahrscheinlich desinfizierenden Spray eingesprayt, und schon ist es für die 2 Mitarbeiter an der Zeit, die (40×4) Schläuche neu zu platzieren.
Kein Wunder, dass vor diesem Gebäude ein ca 6 m hoher Milchtank steht. Und kein Wunder, haben wir gestern Abend in dieser Gegend an die 20Tanklastwagen mit Anhänger begegnet, die allesamt Milch geladen hatten! Gestern noch fragten wir uns, woher denn diese Milch wirklich stammt. Wenn man aber die Milch von einer einzigen Herde wie die eben gemolkene zusammenzählt, wundert es mich nicht mehr; denn solche Herden mit Hunderten von Kühen sind allgegenwärtig.
Vor Franz Josef machen wir einen Abstecher von gut 10 Km nach der Okarito-Lagoon. Diese ist bekannt, weil in den umgebenden Urwäldern noch die nachtaktiven Kiwis leben. Aber nach einem nächtlichen Urwald-Spaziergang ist uns nicht zu Mute. Der Ort ist auch etwas sehr einsam; also machen wir kehrt und steuern das geplante Ziel Franz Josef an. Auf dem dortigen Top10-Camping sind wir wie gewohnt sehr gut aufgehoben. 17:00 ist’s auch in der Zwischenzeit geworden. Also wollen wir die Sonne noch geniessen, die jetzt gegen Abend unter den Wolken, die sich am nahen Gebirge stauen, hervor lugt.

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One Response to NZ: 07.11.2012 Mi, 20.Tag Franz Josef

  1. M+L says:

    Hoi mitenand. Es freut uns, welch wunderbare Erlebnisse Ihr erfahret. Die Berichterstattung ist super ausführlich. Wir staunen über die Vielfalt dieses Landes. Wir grüssen Euch herzlich und wünschen weiterhin glückliche Reise. Gruss M+L

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