NZ: 15.11.2012 Do, 28.Tag Curio Bay

28.Tag Do, 15.11.2012
Riverton – Curio Bay / 207 km

Wir fahren die rund 60 Km von Riverton bis Invercargill im Regen und durch mehr oder weniger flaches Land, also recht unspektakulär, abgesehen von 2 oder 3 wirklich schönen Ausblicken aufs Meer. Wäre das Wetter besser, würde ich wohl lauter ausrufen.

Invercargill ist die grösste Stadt im Süden und zugleich die Älteste. Denn rd. 20 Km südlich erstreckt sich eine Halbinsel mit dem Hafenort Bluff mit einer ruhigen Lagune, die früheren Segelschiffen einen sicheren Hafen bot – und zudem ist Bluff der am nahesten liegende Hafen für Schiffe, die von Australien her kommen. Bluff selber ist noch interessant wegen des etwa 200 m hohen Aussichtshügels, der die Ortschaft und den Hafen überragt. Die Aussicht von dort oben ist eindrücklich. Ein Teil der Ortschaft, der Hafen mit 1 Schiff und die gegenüberliegende Aluminium-Schmelz-Fabrik mit ebenfalls 1 Schiff liegt hier zu Füssen. Der Blick geht weit zurück bis nach Invercargill, und seeseits erstreckt sich die Stewart Island in einiger Entfernung. Wir haben hier oben Wetterglück, denn der Regen und Nieselregen hat aufgehört, und zwischen dicken, tiefliegenden Wolken wagt sich die Sonne immer mal durch.

Zurück zu Invercargill: eine schachbrett-förmig angelegte Grossstadt mit über 50‘000 Einwohnern. Wirklich nichts Besonderes. Das Infozenter mit integriertem Gratis-Museum ist jedoch einen Besuch wert.
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Wir wollen nun weiter nach Osten und nehmen dazu die weniger befahrene Küstenstrasse Nr. 92. Wenn man einmal die Ebene von Invercargill überwunden hat, wird die Landschaft wieder appenzellisch hügelig – nur sehr viel weitergreifender. Richtig heimelig, und da wir – je weiter wir in die Catlins vorstossen – immer schöneres Wetter antreffen, werden auch die Farben wieder intensiv. Es wird sogar wolkenlos, und die Schafhügel stechen wieder knallgrün hervor, betupft durch unzählige weisse Dinger. Dazwischen Ackerland. Kleine Waldbestände unterbrechen die Schafzucht und krönen oftmals die Hügel.
Weil das Wetter sich so wohltuend entwickelt hat, beschliessen wir in Fortrose, die kleinste, „weisse“ Küstenstrasse zu nehmen, trotzdem auf grossen Schildern die Warnung steht, dass die geteerte Strasse bald einmal aufhört und dann nur eine schmale Kiesstrasse über 13 Km Länge weiterführen würde. Aber das wird unser braver Mercedes-Benz doch mit links nehmen! Und er tat dies wie erwartet.
Bei Haldane zweigt ein weiteres schmales Kiessträsschen nochmals 6 Km gegen das Meer ab zum Slope Pt. Unplanmässig wollen wir auch noch diesen Punkt „mitnehmen“. Denn es ist der südlichste Punkt NZ’s mit den Koordinaten S 46 40‘ 40‘‘ E 169 00‘ 11‘‘. Dieser meist windumtoste Flecken präsentiert sich heute sonnig mit einem mässigen, 13 Grad warmen Lüftchen. Erreicht wird dieses Fleckchen von einem Parkplatz aus in etwa ¼ Stunde über grüne Schafweiden – und ist dann enttäuscht, dass das grosse Land NZ es nicht für nötig hält, diesen Ort zu würdigen, denn nebst einem unsäglich hässlichen runden Betonklotz von 2 ½ m Höhe mit undefinierbarem Zweck steht etwas abseits ein kleiner „Wegweiser“ mit den Koordinaten dieses Ortes und dem Hinweis, dass es bis zum Südpol 4‘800 Km und bis zum Äquator 5‘600 Km weit sei. Man wird aber belohnt mit einer herrlichen Aussicht ab diesem Cliff auf den felsigen Küstenstreifen und die schäumenden Brecher.
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Es ist schon 17:00 geworden, und wir wollen noch ca 60 Km weiter bis Papatowai, wo auf der Karte ein Campground eingetragen ist. — Daraus wird aber nichts. Nach 25 Km Schotterpiste erreichen wir vor Waikawa wieder eine geteerte Strasse – und schwenken grad nochmals Richtung Meer ab, um zu erkunden, wohin denn diese Strasse wieder führt. Nur einen Km müssen wir zurücklegen, und stehen u.a. vor einem Wegweiser, der linkerhand einen Camping anzeigt. Nichts wie diesen „Kiesweg“ befahren, und nach 200 m sehen wir die ersten Camper stehen. Das Office müssen wir zuerst suchen, und erhalten dann einen sonnigen, grossen, mit 240 V bestückten Platz zugewiesen: wie im Märchen. Denn wir liegen praktisch am Ende einer kleinen Felsterrasse. 5 Gehminuten entfernt findet man eine kleine Felsenbucht, die vor 160 Mio Jahren ein Waldboden gewesen sein soll. Jedenfalls stehen in der Bucht unzählige versteinerte Baumstrünke, ja ganze Baumstämme kann man ausmachen! Und dazwischen sollen sich Pinguine tummeln. Ja, einen haben wir entdeckt und können diesen ausgiebig aus ca 10 m Entfernung fotografieren.
Auf der anderen Seite der Felsterrasse erstreckt sich eine viele Km weite, flache, wundervoll sandige Bucht, die im Sommer hunderte von Surfern anlocken soll. Dabei sind nicht die Surfer das Wichtige, sondern in dieser Bucht soll es wimmeln von Delfinen, die, so wird informiert, nirgends sonst – ohne von Menschen gefüttert zu werden – so nahe an den Strand kommen wie hier. Alles ringsum ist strengstens geschützt.
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Natürlich bleiben wir auf diesem unplanmässig aufgefundenen Stück Paradies für diese Nacht – im übrigen hat sich der Himmel von Westen her wieder verdüstert, und die ersten Regentropfen fallen aufs Womo-Dach, während ich diesen Bericht zu Ende bringe.
Ja – es gibt wirklich viele verschiedene wunderschöne Landschaften und Orte auf NZ.

PS1: Wir haben nun die Nord- und die Südinsel von NZ komplett mit etwas über 4‚000 Km durchfahren, und sind zeitlich bei der Halbzeit angekommen. Eigentlich hatte ich vorgesehen, hier das erste Resümee zu ziehen, aber die Zeit fehlt, um noch mehr zu schreiben. Ich werde dies vielleicht zu Hause nachholen. Dasselbe gilt für die Fotos, die immer einige Zeit beanspruchen, um in die Homepage integriert zu werden…
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PS2: Seit 2 Tagen bin ich ohne Internet. Die Berichterstattung verzögert sich deshalb immer wieder etwas.

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PS10: Schafe: Mutterschafe mit ihren Lämmern haben wir nun schon zu Hunderttausenden gesehen. Aber Schafböcke??? Fehlanzeige! Vielleicht 10? Vielleicht 20? Nicht mehr! Wir fragen uns: wo kommen denn nur all die jungen Lämmchen her?????
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PS11: Schafe, Kühe: In all den hunderten von eingezäunten Flächen sehen wir nie eine Wasser-Tränke, und die wenigsten haben einen Bach oder wenigstens einen Tümpel. Wir fragen uns: wie viele Schafe verdursten im Sommer auf der Weide???
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PS12: Schafe, Kühe: Alle Zäune haben entweder 6 Drähte übereinander oder (viel weniger) Drahtgeflecht. Das müssen tausende von Km Zäune ergeben, die meistens in sehr gutem Zustand sind. Aber noch nie haben wir jemanden gesehen, der diese Zäune instand hält.
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PS13: Schafe, Kühe: Nebst den 2, 3 Gruppen von „Lämmchen-Schwanz-Abschneidern“ haben wir noch nie einen Menschen auf den weiten Flächen gesehen, der sich um die Tiere in irgend einer Art gekümmert hätte. Es liegen auch hie und da tote Tiere auf der Weide… Andere husten… Wieder andere hinken…
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PS20: Andere Tiere: Im ursprünglichen Busch, auf Wanderwegen wie auch in den gepflegten Anlagen der Campings haben wir noch n i e gesehen: Ameisen (!), Käfer, Würmer, Raupen, Insekten. Wo stecken die nur??? — Die ganz grosse und fast allgegenwärtige Ausnahme sind die Sandflies…
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PS21: Wald: Trotzdem wir schon dutzende von abgeholzten Waldflächen und hunderte von mit Baumstämmen beladene LKW’s gesehen haben, haben wir noch nie eine Equipe bei der Arbeit beobachten können.
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PS30: Energie: Es windet ja nun wirklich überall und täglich auf diesen Inseln. In Wellington z.B. windet es an 250 Tagen moderat, und an 33 Tagen im Jahr stürmisch. Gesehen haben wir: ein einziges Windrad auf der Nordinsel, und eine einzige Windanlage von 13 Windrädern in der Nähe von Te Anau auf der Südinsel!! Deutsche, Dänen! Exportiert euer Know-How nach NZ, hier haben sie von dieser Technologie scheinbar noch nie gehört!!! Mit diesem Potenzial an Wind könnte man doch sicher 100% der elektr. Energie so erzeugen!! (Vielleicht kommen die Kiwis noch auf den Geschmack, wenn die Wasserkraft demnächst einmal nicht mehr genügt).
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PS31.: Energie: Gleich schitter steht es mit der Sonnenenergie: Wenn man irgendwo einmal einen Sonnenkollektor auf einem Dach sieht, ist das schon fast einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde wert.
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One Response to NZ: 15.11.2012 Do, 28.Tag Curio Bay

  1. Danke Emil für die PS Bemerkungen. Die Runden deine Berichte so richtiggehend ab.

    PS10: Armin

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